Der MBA – Master of Business Administration
Zielgruppe für einen MBA
In vielen Publikationen ist zu lesen, dass die Zielgruppe für einen Master of Business Administration (MBA) hauptsächlich berufserfahrene Hochschulabsolventen aus den Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften mit Management-Ambitionen sind. Für ausgebildete Diplomkaufleute sei ein MBA meist weniger lohnend als für Umsteiger aus anderen Fachbereichen, so die veröffentliche Meinung.
Untersuchungen über den deutschsprachigen MBA-Markt zeigen aber, dass entgegen aller Annahmen, der Anteil der Wirtschaftswissenschaftler unter den MBA-Studierenden mit über 40 Prozent (Quelle SWOP MBA-Studie 2010) sehr hoch ist, gefolgt von Ingenieuren mit rund 25 Prozent.
Klassischerweise lassen sich im deutschsprachigen Raum drei Zielgruppen feststellen:
- Junge Interessenten die einen Vollzeit-MBA im Ausland suchen.
- Berufserfahrene Wirtschaftswissenschaftler die einen berufsbegleitenden, spezialisierten-MBA suchen.
- Berufserfahrene Nicht-Wirtschaftswissenschaftler die einen generalistischen MBA bevorzugen.
Was ist ein MBA?
Der Master of Business Administration (MBA) gilt als der erste weltweit akzeptierte internationale Abschluss, aber es gibt zahlreiche unterschiedliche Interpretationen über dessen Inhalte. Für das Verständnis, was ein MBA-Programm ist und welche Qualifikationen und Kompetenzen es vermitteln soll, sind die „European MBA-Guidelines“ eine mögliche Richtschnur. Sie wurden 1997 von Akkreditierungsagenturen, Unternehmen und Business Schools aus 19 europäischen Ländern und den USA erarbeitetet. Interessenten sollten diese Guidelines bei der Bewertung von MBA-Programmen immer im Hinterkopf behalten.
Ein Master of Business Administration-Programm sollte folgende Punkte erfüllen:
- Der MBA ist ein Postgraduate-Abschluss auf Master-Level und muss daher den entsprechenden Qualifikationsrahmen erfüllen. Das Zulassungsverfahren setzt in der Regel einen ersten akademischen Abschluss oder eine gleichwertige Vorbildung voraus. Zulassungsbedingungen können nur niedriger angesetzt werden, wenn Kandidaten entsprechende Weiterbildungen und Praxiserfahrung nachweisen können
- Der MBA setzt mindestens zwei bis drei Jahren Berufserfahrung voraus, Ziel ist es eine Karriere zu beschleunigen oder eine neue Richtung zu geben. Programme, die Absolventen den ersten Berufseinstieg ermöglichen, sollten einen anderen Abschluss vergeben.
- Der MBA ist ein generalistischer Abschluss. Aus diesem Grund sollte der MBA das Wissen verbreitern. Spezialisierte Master sollten nicht als MBA bezeichnet werden.
- Inhalt eines MBA-Programms sollten alle funktionalen Managementbereiche sein. Dazu gehören Accounting, Finance, Marketing, Operations Management, Informations Management, Law und Human Resource Management. Neben dem Erwerb von Wissen sollte auch die persönliche Entwicklung (Entscheidungsfindung, Teamarbeit, Leadership Skills, unternehmerisches Potenzial, Verhandlungsfähigkeit, Kommunikation und Präsentationstechniken) der Teilnehmer gefördert werden. Das Programm sollte dem Teilnehmer Wahlfächer anbieten und es ihm so ermöglichen, einen Schwerpunkt zu wählen.
- Ein MBA-Programm sollte eine Studienzeit von mindestens einem Jahr (Vollzeit) haben oder den entsprechenden zeitlichen Umfang bei Teilzeitprogrammen.
- Der MBA erfordert ein Minimum von 400 Unterrichtsstunden oder strukturiertem Kontakt. Insgesamt sollte das Programm mindestens 1200 Stunden persönliche Arbeit beinhalten. (Die MBA-Guidelines wurden vor der Bolognaerklärung 1999 entwickelt. Ein Master Programm, das die Bolognavorgaben erfüllt, muss seit dem Jahr 2000 mindestens 60 Credits maximal 120 Credits umfassen. Ein Credit umfasst 25 bis 30 Zeitstunden. In Deutschland sind 30 Zeitstunden bisher üblich. Ein 60-ECTS_MBA in Deutschland umfasst in der Regel also einen Lernumfang von ca. 1800 Zeitstunden. Rund ein Drittel davon machen Lehrveranstaltungen aus.)
- Das MBA-Programm sollte intellektuell fordernd sein und ein erhebliches persönliches Investment und persönliche Anstrengung erfordern.
- Die Zulassung sollte durch einen strengen Auswahlprozess erfolgen, der sicherstellt, dass nur qualifizierte Bewerber Zugang zum Studium erhalten.
- Die Teilnehmer an einem MBA-Programm sollten durch strenge Prüfungen und intensives Arbeiten beweisen, dass sie die entsprechenden Lernziele auf Master-Level erreichen.
(Quelle: EQUAL/EFMD)
Der MBA ist ein Masterabschluss, an den von Seiten der Qualifikationsforschung klare Erwartungen gerichtet sind. Im Nationalen Qualifikationsrahmen (DQR) wird beschrieben welche Qualifikationen und Kompetenzen ein MBA neben "inputorientierten" Angaben (Dauer der Ausbildung in Jahren) vermitteln muss (www.deutscherqualifikationsrahmen.de).
Ausgangspunkt ist die Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rats zur Einrichtung des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR), der am 23. April 2008 in Kraft trat. Dieser soll bis 2010 in allen Ländern der EU mit Hilfe nationaler Regelungen umgesetzt sein. Er bildet als Referenzrahmen für lebenslanges Lernen die Leistungen der jeweiligen nationalen Bildungssysteme auf europäischer Ebene in acht Niveaustufen ab. Damit dient er dazu, Lernergebnisse aus allen Bildungsbereichen international verständlicher und vergleichbar zu machen. In dieser Funktion als Übersetzungsinstrument zwischen den Bildungs- und Qualifikationsssystemen der Mitgliedstaaten trägt er dazu bei, dass Arbeitnehmer und Lernende ihre Qualifikationen auch über die eigenen Ländergrenzen hinweg nutzen können.
Damit die Ergebnisse des deutschen Bildungssystems EU-weit Anerkennung finden, müssen sie dem EQR angemessen zugeordnet werden können. Dazu ist es notwendig, die nationalen Bildungsleistungen über einen Deutschen Qualifikationsrahmen zu definieren. "Educated in Germany" kann so noch mehr zu einem Markenzeichen im europäischen Bildungsraum werden.
Unerfreulich ist, dass trotz der Vorgaben des Qualifikationsrahmens der deutsche Akkreditierungsrat genehmigt, für weiterbildende Master (also MBA) auch Bachelor Kurse zu akzeptieren. Meiden Sie solche Programme!


